Fünf Hürden bei der Erstellung eines Finanzberichts und wie man sie überwindet – Finanzbericht für Einsteiger

Ein Text von Frank Molitor

Gemeinnützige Organisationen sind in ihrem Erfolg abhängig vom Engagement verschiedener Personen und Institutionen. Insbesondere Mitglieder, (potentielle) Spender sowie öffentliche und private Fördermittelgeber erwarten für ihr Engagement zu Recht fundierte Informationen über die Arbeit der Organisation, um über ihr weiteres Engagement entscheiden zu können. Neben einem Tätigkeitsbericht bzw. Projektbericht wird dabei regelmäßig auch ein so genannter Finanzbericht erwartet, der über das Vermögen, die Mittelherkunft und -verwendung sowie über die wirtschaftliche Lage der Organisation Auskunft geben kann. Der nachfolgende Text soll einige wesentliche Aspekte der Finanzberichterstattung aufzeigen und dem Einsteiger eine erste Orientierung ermöglichen, welche Art und welcher Umfang eines Finanzberichtes der eigenen Organisation förderlich sein können.

 

Gliederung

  1. Einordnung und Aufgaben des Finanzberichts
  2. Finanzbericht und Transparenz
  3. Instrumente der Berichterstattung im Finanzbericht
    1. Vermögensaufstellung bzw. Bilanz
    2. Einnahmen/Ausgaben- bzw. Gewinn/Verlust-Rechnung
    3. Sparten-Rechnung
    4. Erläuterungen des Rechenwerks bzw. Anhang
    5. Erläuterungen der Situation bzw. Lagebericht
  4. Fünf wesentliche Hürden bei der Erstellung des Finanzberichts
  5. Zusammenfassung

 

1. Einordnung und Aufgaben des Finanzberichts

Der Finanzbericht ist ein Teilbereich der regelmäßigen Berichterstattung gemeinnütziger[1] Organisationen und findet sich oft im letzten Kapitel des jährlichen Geschäftsberichts[2]. Er soll dem Leser einen Überblick zur wirtschaftliche Lage der gemeinnützigen Organisation geben. Je nach Rechtsform und Größenordnung einer Organisation unterscheiden sich die Anforderungen an die Berichterstattung erheblich. Der Finanzbericht eines kleinen Vereins mit wenigen Mitgliedern und nur geringem Spendenaufkommen fällt naturgemäß viel weniger umfangreich aus als etwa die Berichterstattung einer spendensammelnden Stiftung oder einer gemeinnützigen Kapitalgesellschaft.

Eine gemeinnützige Organisation in der Rechtsform des Vereins ist gemäß § 27 Abs. 3 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) in Verbindung mit den Vorschriften der §§ 666, 259 und 260 BGB verpflichtet

  1. a) eine geordnete Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben sowie
    b) eine Vermögensaufstellung

zu erstellen. Diese beiden Rechenwerke sind jedoch zunächst nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern dienen nach der gesetzlichen Idee lediglich vereinsinternen (Rechenschafts-) Zwecken. Daneben bestehen regelmäßig steuerliche Pflichten, auch dem Finanzamt gegenüber bestimmte Informationen zu offenbaren.

Eine gemeinnützige Organisation in der Rechtsform der Kapitalgesellschaft (also z.B. die Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder kurz „GmbH“) muss hingegen die viel umfangreicheren Rechnungslegungsvorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) erfüllen, also grundsätzlich eine Bilanz, eine Gewinn- und Verlustrechnung sowie einen Anhang und einen Lagebericht aufstellen (§§ 242, 264 Abs. 1 HGB). Die Kapitalgesellschaft muss ihre Rechenwerke grundsätzlich auch der Öffentlichkeit zugänglich machen (§§ 325 ff. HGB), so dass gleichsam jedermann Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse einer gemeinnützigen GmbH nehmen kann. Für Kapitalgesellschaften geringerer Größenordnungen (vgl. § 267, § 267a HGB) gewährt das Gesetz dabei allerdings sowohl hinsichtlich der Aufstellungspflichten als auch hinsichtlich der Offenlegungspflichten verschiedene Erleichterungen.

Ungeachtet aller rechtlichen Erfordernisse folgt die Finanzbericht-Erstattung übergreifenden Zielen und Prinzipien, die unabhängig von der Art der berichterstattenden Organisation im Rahmen einer transparenten Kommunikation Anwendung finden. Auf rein oder zumindest überwiegend steuerrechtlich motivierte Rechenwerke, wie z.B. die Darstellung steuerlicher Rücklagen gemäß der Abgabenordnung (AO), geht dieser Text dabei nicht ein.

Der Finanzbericht ist ein Bestandteil des so genannten externen Rechnungswesens der gemeinnützigen Organisation. Das externe Rechnungswesen umfasst regelmäßig die Buchhaltung sowie die daraus abgeleiteten Rechenwerke

  • Vermögensaufstellung (bei bilanzierungspflichtigen Organisationen: Bilanz) und die
  • Einnahmen- und Ausgabenrechnung (bei bilanzierungspflichtigen Organisationen: Gewinn- und Verlustrechnung).

Dazu später mehr in Abschnitt Nr. 3. Diese Instrumente der Rechnungslegung werden in der Betriebswirtschaftslehre dem „externen“ Rechnungswesen zugerechnet, weil sie sich an außerhalb der Organisation stehende Adressaten wenden, also „externe“ Personen wie Spender, Lieferanten oder das Finanzamt. Die drei vorrangigen Zwecke der Instrumente des externen Rechnungswesens sind regelmäßig: Dokumentation, Rechenschaft und Kapitalerhaltung. Hingegen spricht man vom „internen“ Rechnungswesen bei solchen Instrumenten der Rechnungslegung, die „interne“ Adressaten ansprechen. Solche internen Adressaten sind etwa die Mitglieder der Geschäftsführungsorgane (z.B. der Vorstand) oder der Kontrollorgane (z.B. der Aufsichtsrat). Die vorrangigen Zwecke der Instrumente des internen Rechnungswesens sind neben der Dokumentation insbesondere die Planung, Steuerung und Überwachung der Organisation durch die genannten Personen. Ein hierfür typisches Instrument des internen Rechnungswesens ist die Kosten- und Leistungsrechnung. Trotz dieser in der Betriebswirtschaftslehre üblichen, strengen Unterscheidung lassen sich mit gewissen Abstrichen die externen Instrumente selbstverständlich auch für interne Zwecke nutzen und umgekehrt.

Die folgende Überblicksdarstellung soll verdeutlichen, welche grundsätzlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den im Folgenden dann näher zu erläuternden Instrumenten des Finanzberichtes bestehen:

2. Finanzbericht und Transparenz

Der Finanzbericht dient wie die übrigen Teilberichte des Geschäfts- oder Jahresberichtes zunächst der Information seiner Adressaten. Dieses Ziel ist freilich kein Selbstzweck, sondern soll insbesondere den Spendern, Sponsoren, Fördermittelgebern und Mitgliedern einen transparenten Einblick in die wirtschaftlichen Belange der Organisation vermitteln. Der Finanzbericht legt so einerseits gegenüber den Adressaten Rechenschaft ab über die Herkunft und die Verwendung der in der Vergangenheit anvertrauten Mittel (Einnahmen und Ausgaben) sowie über den Stand des Reinvermögens (Vermögen abzüglich Schulden) zu einem Stichtag. Andererseits gibt der Finanzbericht somit den Adressaten auch so genannte „entscheidungsnützliche Informationen“ an die Hand, denn die Adressaten sind regelmäßig auch Entscheidungsträger, die auf der Grundlage (auch) dieser Informationen darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang sie der Organisation weiterhin oder erstmals Ressourcen (Geldmittel, Sachmittel, persönliches Engagement u.a.) zur Verfügung stellen.

Die Auswahl der Informationen sowie die Art und Weise ihrer Darstellung kann demnach also auch einen unmittelbaren Einfluss auf das Entscheidungsverhalten der Adressaten zum Vorteil oder zum Nachteil der Organisation nehmen.[3] Eine sorgfältige Aufbereitung und Darstellung der Inhalte des Finanzberichtes im Speziellen sowie des Jahresberichtes im Allgemeinen liegt daher auch im ureigenen Interesse der Organisation und der in ihr verantwortlichen Personen selbst. Jede Organisation steht im Wettbewerb zu anderen Organisationen, denn (potentielle) Spender oder Fördermittelgeber können sich frei entscheiden, ob und wem sie finanzielle Mittel oder auch ihr persönliches Engagement zur Verfügung stellen. Ein (potentieller) Spender wird zunächst anhand seiner persönlichen Werte, Lebenseinstellungen und Anliegen bestimmte, für ihn spendenwürdige Zwecke ins Auge fassen. Unabhängig davon, ob ein solcher Spender sportliche oder religiöse, humanitäre oder Tierschutz-Projekte unterstützen möchte, dürfte ihm eines regelmäßig wichtig sein: Er möchte sicher sein, dass die von ihm gespendeten Mittel zielgerichtet und möglichst wirksam eingesetzt werden. Aus diesem Grunde wird er solche Organisationen als Empfänger seiner Spender bevorzugen, die ihm unaufgefordert Informationen über ihre Ziele, ihre Arbeitsweise und ihre wirtschaftliche Lage bereitstellen. Dies sind für ihn als Entscheidungsträger so genannte „entscheidungsnützliche Informationen“. Anhand dieser Informationen kann er dann entscheiden, ob, wieviel und insbesondere an wen er spenden möchte.

Transparenz herzustellen bedeutet daher, vorhandene und potentielle Mitglieder, bisherige und potentielle Spender, Sponsoren, Fördermittelgeber sowie die Öffentlichkeit mit entscheidungsnützlichen Informationen zu versorgen und ihnen gegenüber Rechenschaft abzulegen über die Verwendung der erhaltenen Mittel. Auch wenn ein spendensammelnder Verein, wie oben unter Nr. 1 dargestellt, nicht gesetzlich zur Offenlegung seiner Finanzdaten verpflichtet ist, wird er also gut daran tun, solche Informationen in wohlüberlegter Form aufzubereiten und freiwillig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

3. Instrumente der Berichterstattung im Finanzbericht

Die Auswahl der Instrumente der Finanzberichterstattung sowie der Umfang der Berichterstattung richten sich in Deutschland zunächst nach den gesetzlichen Vorschriften. Das Vereinsrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) oder das Handelsrecht im Handelsgesetzbuch (HGB) sehen, wie bereits erwähnt, für unterschiedliche Rechtsformen jeweils verschiedene, verpflichtend zu erstellende Instrumente der Rechnungslegung vor. Auch andere Gesetze, wie etwa die Stiftungsgesetze der Länder, die steuerliche Gesetzgebung und weitere Spezialnormen (z.B. für Krankenhäuser und Altenpflegeheime) nehmen Einfluss auf die Rechnungslegung. Angesichts der Vielzahl der gesetzlich unterschiedlich geregelten Fälle sollen im Folgenden daher nur ausgewählte Instrumente der Berichterstattung kurz vorgestellt und skizziert werden. Auch privatrechtlich organisierte Interessenverbände und Initiativen, die sich mit der Berichterstattung (oder neu-deutsch: mit dem „Reporting“) gemeinnütziger Organisationen befassen, greifen regelmäßig auf diese gesetzlich oder betriebswirtschaftlich bereits definierten Instrumente zurück.[4] In der Praxis bietet es sich an, die Finanzberichterstattung auf einer softwaregestützten (Vereins-) Buchhaltung aufzubauen, die entweder von der Organisation selbst oder aber von externen Personen (etwa einem Steuerberater) geführt wird. Entsprechende Software (Vereinsbuchhaltung bzw. Vereinsverwaltung) ist im Fachhandel erhältlich.

Vermögensaufstellung bzw. Bilanz

Eine Vermögensaufstellung und eine Bilanz stellen das (Netto-) Vermögen der gemeinnützigen Organisation zu einem bestimmten Stichtag dar. Dieser Stichtag entspricht in der Mehrzahl dem 31. Dezember und bezeichnet damit das Ende eines jeden, zwölf Kalendermonate umfassenden Geschäftsjahres der Organisation. Dabei werden das positive Vermögen der Organisation einerseits und die Schulden der Organisation andererseits in Euro bewertet und einander gegenübergestellt. Als Saldo zwischen beiden Größen ergibt sich der Wert des (Netto-) Reinvermögens (in der Vermögensaufstellung) bzw. des Eigenkapitals (in der Bilanz) der Organisation. Die Darstellung erfolgt dann meist in einer Tabelle mit dem Vermögen auf der linken (Aktiv-) Seite und den Schulden sowie dem (Netto-) Vermögen auf der rechten (Passiv-) Seite, wobei die Summen der beiden Seiten rechnerisch zwingend jeweils gleich groß sein müssen. Die folgende Übersicht zeigt ein Beispiel:

Sowohl auf der Aktiv- wie auf der Passivseite werden also nicht sämtliche Vermögensgegenstände und Schulden der Organisation einzeln aufgelistet, sondern diese werden zunächst unter bestimmten Oberbegriffen zusammengefasst (gegliedert) und dann komprimiert dargestellt. Üblicherweise wird neben dem Wert zum aktuellen Stichtag auch noch der jeweilige Vorjahreswert angegeben; bei der gesetzlich geregelten Bilanzierung ist dies sogar verpflichtend vorgesehen. Beruhen die tatsächlichen Vorjahreswerte auf anderen Abbildungsregelungen als die Werte im laufenden Jahr, so sollten die Vorjahreswerte möglichst angepasst und ebenfalls den Abbildungsregelungen des aktuellen Jahres unterworfen werden. Dies ist erforderlich, um die Werte des aktuellen Geschäftsjahres mit denjenigen des Vorjahres überhaupt sinnvoll vergleichen zu können, weil bestimmte wirtschaftliche Entwicklungen zwischen zwei (Bilanz-) Stichtagen vom Adressaten nur dann erkannt werden können, wenn die entsprechenden Vorjahreszahlen inhaltlich denselben Aussagegehalt haben wie die aktuellen Zahlen.

Die Bilanz unterscheidet sich von der Vermögensaufstellung insbesondere dadurch, dass deren Gliederung (Ausweis[5]) auf gesetzlichen Vorgaben beruht. Aber auch der Ansatz[6] und die Bewertung[7] der einzelnen Vermögensgegenstände und Schulden können sich voreinander unterscheiden, je nach dem, ob eine Vermögensaufstellung oder eine Bilanz aufgestellt wird und welche Methode bei der Buchhaltung angewendet wird. Es empfiehlt sich, bei der Aufstellung der Vermögensrechnung oder der Bilanz die handelsrechtlichen oder steuerrechtlichen Ansatz- und Bewertungsvorschriften auch dann einzuhalten, wenn dies von Gesetzes wegen nicht zwingend erforderlich ist. Denn einerseits entlastet die Anwendung dieser allgemein anerkannten Ansatz- und Bewertungsvorschriften die Organisation, ihre individuell angewandten Regelungen (z.B. im Anhang, siehe unten d.) umfassend erläutern zu müssen. Andererseits sind die Rechenwerke im Zeitablauf sowie die Rechenwerke verschiedener Organisationen untereinander stets vergleichbar, sofern durchweg einheitliche Standards angewandt werden. Darüber hinaus entgeht die Organisation bei der Anwendung allgemein anerkannter Regelungen dem etwaigen Vorwurf, durch abweichende Praktiken der Transparenz des eigenen Rechenwerkes zu schaden oder gar die tatsächlichen eigenen wirtschaftlichen Verhältnisse zu verschleiern. Falls sich eine Vergleichbarkeit nicht herstellen lässt oder nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand, so sollte der Adressat an geeigneter Stelle (z.B. im Anhang, siehe unten d.)  zumindest verbal auf diese Tatsache hingewiesen werden.

Einnahmen/Ausgaben- bzw. Gewinn/Verlust-Rechnung

Während die Vermögensaufstellung innerhalb des Finanzberichtes die „Bestandsgrößen“ (Vermögen und Schulden) auf den Stichtag abbildet, stellen die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR) bzw. die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) die „Stromgrößen“ des Vereins für einen bestimmten Zeitraum (das Geschäftsjahr) dar. Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR) ist regelmäßig auch mehr oder minder übereinstimmend mit der so genannten „Einnahmen-Überschuss-Rechnung“, die für Zwecke des Steuerrechts erstellt wird.

Begriffliche Feinheiten so wie eine konkrete Unterscheidung der einschlägigen betriebswirtschaftlichen Definitionen dieser Stromgrößen (Einnahmen, Einzahlungen, Erträge, Ausgaben, Auszahlungen, Aufwendungen) sollen in dieser Einführung nicht weiter vertieft werden. Wichtig ist aber der folgende Punkt: Bei der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung werden Einnahmen bzw. Ausgaben erst in demjenigen Geschäftsjahr erfasst, in dem der Vertragspartner diese auch geleistet (gezahlt) hat. Hingegen werden bei der Gewinn- und Verlustrechnung die Erträge und Aufwendungen in demjenigen Geschäftsjahr erfasst, zu dem diese wirtschaftlich auch gehören.

Beispiel: Ein Verein bestellt im Dezember 2016 einige Rettungsdecken für EUR 1.000,00. Diese werden auch im Jahre 2016 noch geliefert und die Rechnung liegt der Lieferung bei. Die Rechnung wird aber vom Verein erst im Februar 2017 bezahlt.

Lösung bei der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung: Die Ausgabe wirkt sich mit (minus) EUR 1.000,00 erst im Jahr 2017 aus und mindert demnach das Ergebnis dieses Geschäftsjahres 2017.

Lösung bei der Gewinn- und Verlustrechnung: Der Aufwand wirkt sich mit (minus) EUR 1.000,00 bereits im Jahr 2016 aus und mindert mit diesem Betrag das Ergebnis des Geschäftsjahres 2016.

Fazit: Das Jahresergebnis des Vereins unterscheidet sich bei gleichem Geschäftsgebahren also allein aufgrund der Tatsache, welche Gewinnermittlungsmethode der Verein wählt.

Ermittelt ein Verein sein Jahresergebnis mittels einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR), so benennt man diese Gewinnermittlungsmethode mit dem (eigentlich steuerlichen) Begriff der „Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)“. Sein Vermögen stellt der Verein dann regelmäßig als „Vermögensaufstellung“ dar.

Ermittelt der Verein hingegen sein Jahresergebnis mittels der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)“ – was er freiwillig stets tun dürfte – so nennt man diese Gewinnermittlungsmethode auch „Bilanzierung“ oder „doppelte Buchführung“, weil das (in der Höhe identische) Ergebnis gleichsam „doppelt“ ermittelt wird, und zwar zum einen in der Bilanz und zum anderen in der Gewinn- und Verlustrechnung.

Die Darstellung von Mittelherkunft und Mittelverwendung erfolgt entweder als Tabelle (Kontenform) mit den Ausgaben auf der linken (Soll-) Seite und den Einnahmen auf der rechten (Haben-) Seite wie im nachstehenden Beispiel. Alternativ kann auch eine so genannte „Staffelrechnung“ dargestellt werden (wie bei der Gewinn- und Verlustrechnung zwingend vorgeschrieben), in dem zunächst die Einnahmen, darunter dann die Ausgaben und als Saldo das Ergebnis aufgelistet werden.

Üblicherweise wird wie bei der Vermögensübersicht neben dem Wert zum aktuellen Stichtag auch hier der jeweilige Vorjahreswert angegeben; bei der gesetzlich geregelten Gewinn- und Verlustrechnung ist auch dies verpflichtend vorgesehen. Beruhen die tatsächlichen Vorjahreswerte auf anderen Abbildungsregelungen als die Werte im laufenden Jahr, so sollten die Vorjahreswerte möglichst angepasst und ebenfalls den Abbildungsregelungen des aktuellen Jahres unterworfen werden. Dies ist erforderlich, um die Werte des aktuellen Geschäftsjahres mit denjenigen des Vorjahres sinnvoll vergleichen zu können; insoweit gilt auch hier das für die Vermögensrechnung bereits gesagte.

 Sparten-Rechnung

Die so genannte Sparten-Rechnung entstammt dem steuerrechtlichen Blick auf eine gemeinnützige Organisation. Nach der steuerrechtlichen Gedankenwelt finden die wirtschaftlichen Transaktionen einer gemeinnützigen Körperschaft in verschiedenen Bereichen oder Sphären statt. Die Abgrenzung dieser einzelnen Sphären voneinander kann im konkreten Fall mitunter sehr schwierig sein. Die folgenden Beispiele sind daher lediglich als sehr grob vereinfachende Darstellungen zu verstehen, um damit die Bedeutung der Sphären veranschaulichen zu können.

Der ideelle Bereich (die erste Sphäre oder Sparte im nachstehenden Beispiel) des Vereins ist diejenige Sphäre, in der der Verein unmittelbar seine ideellen Satzungszwecke abbildet, also nicht wirtschaftlich tätig ist. Echte Zuwendungen (z.B. erhaltene Geldspenden) sind daher Einnahmen dieses ideellen Bereichs. Im Zweckbetrieb eines Vereins (zweite Sparte) sowie im steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (dritte Sparte) entfaltet der Verein wirtschaftliche Tätigkeiten, also etwa den Verkauf von Waren oder Dienstleistungen gegen Geld.

Betreibt ein Verein, dessen Zweck die Förderung von behinderten Menschen ist, eine Werkstatt, in der dann Menschen mit Behinderungen arbeiten und die von ihnen gefertigten Produkte verkaufen können, so ist dies eine wirtschaftliche Betätigung. Da hier aber der Satzungszweck des Vereins auf das engste mit seiner wirtschaftlichen Betätigung verbunden ist, werden diesem so genannten Zweckbetrieb (zweite Sparte im nachstehenden Beispiel) vom Steuerrecht einigen Vergünstigungen eingeräumt, wie z.B. ein ermäßigter Umsatzsteuersatz sowie die Befreiung der Gewinne von der Körperschaft- und von der Gewerbesteuer. Gewinne hingegen, die der Verein aus einem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (dritte Sparte im nachstehenden Beispiel) erzielt (z.B. aus der Vereinsgaststätte eines Sportvereins), unterliegen grundsätzlich auch der Körperschaft- und der Gewerbesteuer.

Die Vermögensverwaltung (vierte Sparte im nachstehenden Beispiel) ist ebenfalls steuerlich begünstigt. Zinsen aus Sparbüchern oder Dividenden aus einem Aktiendepot, die der Verein gutgeschrieben bekommt, unterliegen ebenfalls im Ergebnis nicht der Besteuerung.

Rein rechnerisch betrachtet, gliedert also die Sparten-Rechnung lediglich die Einnahmen und Ausgaben (Zeilen der Sparten-Rechnung), die sich ja bereits in seiner vorstehenden Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (siehe vorstehend unter b.) finden, auf die verschiedenen Sparten (Spalten der Sparten-Rechnung) auf. Die Werte der Summen-Spalte im obigen Beispiel einer Sparten-Rechnung entsprechen daher nicht nur zufällig denjenigen Werten, die bereits aus der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (siehe vorstehend unter b.) bekannt sind. Vorjahreswerte werden in einer Sparten-Rechnung üblicherweise nicht angegeben, weil andernfalls die Übersichtlichkeit der Darstellung stark darunter leiden würde. Sollen Vorjahreszahlen angegeben werden, bietet es sich an, eine separate Tabelle ausschließlich mit den Vorjahreswerten anzugeben und diese entsprechend zu benennen.

Auch, wenn die ursprüngliche Bedeutung der Unterscheidung dieser Sparten eine steuerliche ist, so dürfte sofort einleuchten, dass eine übersichtliche Darstellung der Einnahmen und Ausgaben des Vereins getrennt nach Sparten (Sparten-Rechnung) dem Adressaten wichtige zusätzliche und für ihn entscheidungsnützliche Informationen an die Hand gibt. So ist im obigen Beispiel etwa deutlich erkennbar, dass der Verein langfristig nur durch die im ideellen Bereich erhaltenen Spendengelder überlebensfähig ist und seinen gemeinnützigen Zweck erfüllen kann. Die Sparten-Rechnung ist daher hier ein sehr geeignetes Instrument, mit dem der Verein seine wirtschaftliche Ertragsstruktur gegenüber der Öffentlichkeit und gegenüber seinen Spendern transparent machen kann.

Erläuterungen des Rechenwerks bzw. Anhang

Die in den vorstehenden Abschnitten besprochenen Instrumente der Finanzberichterstattung (siehe unter a. bis c.) sprechen zwar, was die darin dargestellten Zahlen und Vorjahreswerte angeht, zunächst für sich selbst, bedürfen aber regelmäßig einer weitergehenden Erläuterung, damit der Leser den Aussagegehalt der dargestellten Zahlen auch richtig einordnen kann. Eine solche Einordnung setzt voraus, dass dem Leser zunächst einmal mitgeteilt wird, nach welcher Methode (z.B. doppelte Buchführung oder Einnahmen-Ausgaben-Rechnung) und nach welchen Regeln (z.B. Einkommensteuergesetz oder Handelsgesetzbuch) die dargestellten Zahlen ermittelt wurden.

Wesentliche Posten der Rechenwerke (siehe unter a. bis c.) sollten in Ihrer Zusammensetzung aufgegliedert und erläutert werden ebenso wie wesentliche inhaltliche oder quantitative Abweichungen eines Postens gegenüber dem Vorjahr. Privatrechtlich organisierte Interessenverbände und Initiativen[8] verlangen darüber hinaus verschiedene Aufgliederungen, Erläuterungen sowie Angaben zu besonderen Themenkreisen, wie z.B. die Behandlung zweckgebundener Spenden oder die Darstellung wesentlicher Vertragsverbindungen zu Dritten.

Ist die gemeinnützige Organisation ohnehin gesetzlich verpflichtet, einen (gesetzlich definierten) Anhang zu erstellen, oder stellt sie freiwillig einen solchen nach gesetzlichem Vorbild auf, ergeben sich die im Anhang zu machenden Angaben aus den sehr umfangreichen, einschlägigen Paragraphen (vgl. z.B. §§ 284 ff. Handelsgesetzbuch (HGB)). Dies betrifft in der Regel jedoch nur gemeinnützige Organisationen in der Rechtsform der Kapitalgesellschaft oder Stiftungen sowie größere Vereine.

Nicht zu empfehlen ist es, im Finanzbericht weitere Ausführungen und Erläuterungen zu strategischen Fragen oder zu von der Organisation erzielten Erfolgen qualitativer Art zu machen, auch wenn diese oft einen Bezug zu ausgewählten Finanzdaten aufweisen. Dasselbe gilt für Ausführungen zur Wirkungslogik sowie zu mit der Arbeit der Organisation beabsichtigten oder erzielten Wirkungen. Solche Ausführungen sind an anderer Stelle des Geschäftsberichtes in der Regel besser aufgehoben, wo dann selbstverständlich auf einschlägige Stellen im Finanzbericht verwiesen werden kann. Ein solches Vorgehen vermeidet eine Zerfaserung des Finanzberichtes, unter der dessen Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit sehr stark zu leiden hätte.

 Erläuterungen der Situation bzw. Lagebericht

Neben den Erläuterungen, die eine gemeinnützige Organisation zu ihren Rechenwerken (siehe unter a. bis c.) für zweckmäßig oder geboten hält (vgl. dazu unter d.), benötigen die Adressaten des Finanzberichtes oftmals aber noch weitere Informationen, damit der Finanzbericht ihnen als fundierte Entscheidungsgrundlage dienen kann. Dies liegt darin begründet, dass die bisher unter a. bis d. besprochenen Instrumente überwiegend auf die Vergangenheit gerichtet sind. Es geht also bei diesen Instrumenten vorrangig darum, über die Vergangenheit der gemeinnützigen Organisation Rechenschaft abzulegen.

Obwohl vergangene Entwicklungen natürlich auch Anhaltspunkte für zukünftige Entwicklungen geben können, benötigt der Adressat für seine (naturgemäß) zukunftsbezogenen Entscheidungen darüber hinaus auch noch spezifisch zukunftsbezogenen Informationen. Aufbauend auf dem Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres und der wirtschaftlichen Lage der Organisation, wie sie sich am Stichtag darstellt, ist es also zweckmäßig, im Finanzbericht auch Ziele und Planungen der Organisation für (zumindest) das nächste Geschäftsjahr zu präsentieren. Auch die Chancen und Risiken, die das Geschäftsführungsorgan für die nächste Zukunft sieht, sowie eine Darstellung der Möglichkeiten, wie mit diesen Chancen und Risiken umzugehen ist, sollten daher im Finanzbericht nicht fehlen.

Eine Auseinandersetzung mit der Zukunft innerhalb des Finanzberichtes signalisiert dem Leser also zugleich, dass das Geschäftsführungsorgan sich über die Zukunft fundierte Gedanken gemacht hat, und nicht gleichsam im Blindflug auf das neue Jahr zusteuert.

Das entsprechende, gesetzlich hierfür vorgesehene Instrument ist der so genannte Lagebericht (vgl. § 289 f. Handelsgesetzbuch (HGB)). Eine Pflicht zur Aufstellung eines solchen gesetzlich definierten und oft sehr umfangreichen Lageberichts besteht indes, wie bereits zuvor beim Anhang dargestellt, nur für gemeinnützige Organisationen bestimmter Rechtsformen und Größenklassen. Privatrechtlich organisierte Interessenverbände und Initiativen[9] verlangen aber in ihren Grundsätzen oder Standards regelmäßig ebenfalls zukunftsbezogenen Informationen, wenn auch in deutlich geringerem Umfang und nicht unbedingt zwingend innerhalb des Finanzberichtes.

Auch wesentliche Vorgänge, die erst nach dem Stichtag stattgefunden haben, also in der Regel nach dem 31. Dezember als letztem Tag des Geschäftsjahres, sollten dargestellt und erläutert werden, wenn davon auszugehen ist, dass diese für die Adressaten des Finanzberichtes entscheidungserheblich sein könnten. Dies wäre etwa insbesondere dann der Fall, wenn die gemeinnützige Organisation nach dem Stichtag bereits Insolvenz angemeldet hat. Aber auch über weniger dramatische Vorgänge nach dem Abschluss des Berichtsjahres sollte an dieser Stelle berichtet werden, wenn sie für den Adressaten und seine Entscheidungen von einiger Bedeutung sein können.

 

4. Fünf wesentliche Hürden bei der Erstellung des Finanzberichts

Die Erstattung des Jahresberichtes bzw. des jährlichen Geschäftsberichtes jeweils einschließlich der Finanzberichterstattung ist zunächst eine Führungsaufgabe. Das bedeutet, der Vorstand oder die Geschäftsführung einer gemeinnützigen Organisation sind dafür verantwortlich, dass eine transparente, ziel- und strategieorientierte Berichterstattung gegenüber der Öffentlichkeit erfolgt. Selbstverständlich wird die Vereinsführung auf interne oder externe, sachverständige Personen zurückgreifen, wo ihr selbst die nötige Sachkenntnis für eine ordnungsgemäße Berichterstattung fehlt. Die Strategie der Berichterstattung wird also von der Vereinsführung bestimmt, während die konkrete Umsetzung der Strategie durchaus von anderen Personen ausgefüllt werden kann.

Aus diesem Grunde ist die Berichterstattung der gemeinnützigen Organisation zugleich auch Teamaufgabe, denn oftmals können bestimmte Personen im Verein zu Inhalten von Projekten fundiertere Informationen beisteuern als der Vereinsvorstand selbst, und wieder andere Personen können zu den Finanzdaten und deren sinnvoller Darstellung sachkundig beitragen. Im Folgenden sind daher (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) fünf Aspekte dargestellt, denen sich in der Verantwortung der Vereinsführung die in der gemeinnützigen Organisation maßgeblichen Personen gemeinsam in Form eines Brain-Storming oder in Form einer langfristigen Projektarbeit stellen sollten. Erfahrungsgemäß ist ein solches Projekt in der Startphase mit einigem Aufwand verbunden, der sich allerdings später durch den mit dem Nutzen einer gesteigerten Transparenz verbundenen Erfolg langfristig auszahlen kann (vgl. dazu auch Sittler/Molitor „Gemeinnützigkeit braucht Transparenz“ unter www.transparenz-leicht-gemacht.de).

Zielgruppen-Orientierung

Insbesondere beim Erfordernis der Zielgruppen-Orientierung wird deutlich, dass die Berichterstattung im Allgemeinen, aber auch die Finanzberichterstattung im Besonderen eine Teamaufgabe aller innerhalb der gemeinnützigen Organisation maßgeblichen Akteure ist. Nur durch ein Brain-Storming des gesamten Teams ist es oftmals möglich, alle relevanten Zielgruppen zu erkennen, zu definieren und deren eventuell spezifischen Informationsbedürfnisse zu bündeln sowie diesen dann (idealerweise) insgesamt Rechnung zu tragen. Relevante Zielgruppen können etwa (potentielle) Spender, Mitglieder, Gesellschafter, Dachverbände, Prüfinstitute, Fördermittelgeber oder das Finanzamt sein. Auch die Aufbereitung der erforderlichen Informationen sollte bereits mit Blick auf die jeweiligen Zielgruppen erfolgen, da oft nur so eine einheitliche Botschaft gesteuert werden kann, die im Idealfall bei sämtlichen Adressaten die jeweils gewünscht Entscheidung (Reaktion) auslöst. Wichtig ist dabei regelmäßig, den jeweils unterschiedlichen Empfängerhorizont (Vorinformationen, Ziele, Einstellungen, Sachkenntnis etc.) der jeweiligen Zielgruppen einordnen zu können. Auch dies gelingt oftmals nur unter Einbeziehung aller wesentlichen internen Personen der gemeinnützigen Organisation. Die Herleitung und Aufbereitung der entsprechenden Inhalte kann dann selbstverständlich zu einem gewissen Teil auch externen Dritten überlassen werden, z.B. dem Steuerberater die Herleitung der spezifischen Kosten eines genau definierten Projektes oder dem Grafiker die Aufbereitung eines ansprechenden Säulendiagramms, das die Finanzquellen der vergangenen Jahre optisch ansprechend darstellt.

Entscheidungsorientierung

Die Hürde der „Entscheidungsorientierung“ soll verdeutlichen, dass ungeachtet aller gesetzlichen, vertraglichen oder anderweitiger Erfordernisse nicht aus dem Blick geraten darf, welche Reaktionen (Entscheidungen) die gegebenen (oder aber auch zwingend zu gebenden) Informationen bei der Zielgruppe mitunter hervorrufen können. Beispiel: Kann ein spendensammelnder Verein seine Einnahmen aus Spenden im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern, ruft das bei (bisherigen oder potentiellen) Spendern nicht selten eine Reaktion hervor, die in der Aussage mündet: „Der Verein hat ja im letzten Jahr schon genug eingenommen; da brauche ich ja jetzt gar nichts mehr zu spenden.“

Solche etwaig vorhersehbaren Reaktionen sollten also nach Möglichkeit bereits innerhalb der Berichterstattung an geeigneter Stelle wieder eingefangen werden. Oftmals wird dies allerdings nicht (nur) über den Finanzbericht geleistet werden können, sondern muss (auch) innerhalb anderer Berichtsbestandteile erfolgen. Bezogen auf das obige Beispiel könnte die gemeinnützige Organisation also etwa im Lagebericht wie im Projektbericht ausführlich verdeutlichen, dass die gestiegenen Spendeneinnahmen des vergangenen Jahres zu einem Teil dringend benötigt wurden, um schleichende Kostensteigerungen der vergangenen Jahre ausgleichen zu können und zu einem anderen Teil in nachhaltig wirkende Zukunftsprojekte geflossen sind, für die – wenn sie erfolgreich sein sollen – weitere Spenden auch im laufenden Jahr dringend benötigt werden.

Ordnungsmäßigkeit

Nur eine ordnungsmäßige Berichterstattung kann ihre Ziele erreichen und nur eine formal und materiell ordnungsmäßige Berichterstattung kann die Glaubwürdigkeit der Organisation sowie der von ihr dargebotenen Informationen unterstreichen. Die Ordnungsmäßigkeit der Berichterstattung sollte insoweit bereits im wohlverstandenen Eigeninteresse der gemeinnützigen Organisation eine Selbstverständlichkeit sein.

Allgemeine Erfordernisse wie die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung sollten sowohl auf der Ebene der Grundaufzeichnungen (Buchführung) wie auch auf der Ebene der daraus abgeleiteten, aggregierten Instrumente der Finanzberichterstattung eingehalten werden. Beispielhaft genannt seien hier die Vollständigkeit, die Richtigkeit, die Zeitgerechtheit und die Geordnetheit der dargebotenen Informationen ebenso wie die eher formalen Anforderungen der Klarheit, der Verständlichkeit, der Übersichtlichkeit und der Nachvollziehbarkeit.

Gesetzliche Regelungen sowie die Satzung und ein Gesellschaftsvertrag sollten (auch auf der Ebene der Berichterstattung) ebenso selbstverständlich eingehalten werden wie freiwillig eingegangene Verpflichtungen gegenüber Dritten, wie etwa die Selbstverpflichtungserklärung des Deutschen Spendenrats e.V., die dessen Mitglieder regelmäßig abgeben. Auch andere Normen und Regelungen sollten regelmäßig auf Anwendbarkeit und Zweckmäßigkeit geprüft werden, wie z.B. die einschlägigen Stellungnahmen des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V.[10], oder steuerlich initiierte Richtlinien, wie z.B. die so genannten „Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD) der Bundesfinanzverwaltung.

Auch hier wird deutlich, dass die Finanzberichterstattung eine laufende Führungsaufgabe innerhalb der gemeinnützigen Organisation darstellen muss, damit Strukturen (Aufbau-Organisation) und Prozesse (Ablauf-Organisation) geeignet und in der Lage sind, die relevanten Anforderungen herauszuarbeiten und einzuhalten. Das Interne-Kontroll-System (IKS) einer gemeinnützigen Organisation sollte je nach Rechtsform und Größe so ausgestaltet sein, dass neben einer ausführenden Instanz (z.B. Buchhalter) jeweils auch (mindestens) eine überwachende Instanz (z.B. ein Vorstand, der den Buchhalter regelmäßig kontrolliert) die wesentlichen Prozesse abbildet.

Vergangenheits- und Zukunftsorientierung

Die zeitliche Dimension von Vergangenheit und Zukunft zieht sich durch sämtliche Bereiche der Berichterstattung. So reicht es in der Regel nicht aus, erst im Folgejahr damit zu beginnen, die für den Bericht des Vorjahres benötigten Informationen zu beschaffen und aufzubereiten. Oftmals werden die benötigten Informationen dann nicht (mehr) zur Verfügung stehen oder nur noch mit verstärktem Einsatz beschafft werden können. Sinnvoll und zweckmäßig ist daher eine rechtzeitige Planung innerhalb des Teams unter der Verantwortung der Geschäftsleitung, wer, wann, welche Informationen bereitstellen muss, damit unterjährig (also vor Beginn oder spätestens im Berichtsjahr selbst) die erforderlichen Vorbereitungs-, Durchführungs- und Überwachungsmaßnahmen bereits in Gang gesetzt werden können.

Auch der sogenannte Grundsatz der Stetigkeit hat einen engen Bezug zur zeitlichen Dimension von Vergangenheit und Zukunft. Einmal angewandte Methoden der Berichterstattung sollten sowohl in materieller als auch in formeller Hinsicht auch in den Folgejahren beibehalten werden, soweit nicht wichtige oder gar zwingende Gründe dagegensprechen. In der Vergangenheit angewandte Berichtsinstrumente sollten also nach Möglichkeit auch in Folgeperioden in identischer Weise angewandt werden, es sei denn, die Vorjahre waren fehlerhaft. Fehler und Unstimmigkeiten sind vom Grundsatz der Stetigkeit selbstverständlich ausgenommen und müssen bei Bedarf und Gelegenheit richtiggestellt werden.

Auch in dem vorstehend bereits erwähnten Umstand, dass in der jährlichen Vermögensaufstellung (bzw. Bilanz) sowie in der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (bzw. Gewinn- und Verlustrechnung) neben den aktuellen Zahlen stets auch die Vorjahreswerte angegeben werden sollten (siehe oben unter 3.a. und 3.b.), spiegelt sich der Aspekt der Vergangenheits- und Zukunftsorientierung wider. Der Zukunftsaspekt kommt innerhalb der Finanzberichterstattung jedoch am deutlichsten im ebenfalls bereits erläuterten Lagebericht zum Ausdruck (siehe oben unter 3.e.), der kaum Vergangenheitsaspekte und überwiegend Zukunftsaspekte berücksichtigt.

Eine wichtige Führungsaufgabe bei der Finanzberichterstattung ist zudem nicht zuletzt auch die Beobachtung zukünftiger (Gesetzes-) Entwicklungen, denn die Geschäftsführung sollte nicht nur in der Lage sein, aus der Vergangenheit resultierende Regeln anzuwenden, sondern sich auch angemessen auf zukünftige Erfordernisse vorbereiten, soweit diese bereits im Voraus erkennbar werden.

Vertrauenswürdigkeit

Der Öffentlichkeit oder besonderen Adressaten gegenüber gegebene Informationen sind nur dann von Wert, wenn der Adressat, der ja durch die Informationen in seinem Verhalten positiv beeinflusst werden soll, diese auch für glaubwürdig hält. Von einem unabhängigen Dritten kritisch untersuchte und ggf. bestätigte Aussagen werden regelmäßig als zuverlässiger empfunden als ungeprüfte Aussagen. Durch eine unabhängige Prüfung kann daher die Verlässlichkeit des jährlichen (Finanz-) Berichts bestätigt und insoweit dessen Glaubwürdigkeit erhöht werden.

Die einfachste Form einer solchen Prüfung, die auch in beinahe alle Vereinssatzungen Eingang gefunden hat, ist die Prüfung durch einen oder mehrere Kassenprüfer, die von der Mitgliederversammlung gewählt werden und vom Vereinsvorstand sowie vom Kassierer unabhängige Personen sind. Die Erstellung des Finanzberichtes durch einen (externen) Steuerberater oder die (gesetzliche oder freiwillige) Prüfung durch einen unabhängigen Abschlussprüfer sind weitere Möglichkeiten, die Adressaten von der Glaubwürdigkeit der gegebenen Informationen zu überzeugen. Für spendensammelnde Organisation ab einer gewissen Größenordnung kann darüber hinaus auch der Erwerb eines Spenden-Zertifikates[11] deutliche Wettbewerbsvorteile bewirken, weil durch ein solches Zertifikat nicht nur die Glaubwürdigkeit der berichteten Finanzinformationen, sondern auch die Transparenz der Organisation als solche von unabhängiger Seite bezeugt wird. Auch die Wahrnehmbarkeit der Organisation in den öffentlichen Medien kann durch das Führen eines Spenden-Zertifikates nennenswert gesteigert werden.

Aus diesem Grunde sollte innerhalb des jährlichen (Finanz-) Berichtes stets auch verbal dargestellt werden, wer die Rechnungslegung erstellt hat (z.B. der Kassenwart, der Finanzvorstand oder der Steuerberater), ob und von wem die Rechnungslegung eventuell geprüft wurde (z.B. durch den Kassenprüfer oder durch einen Wirtschaftsprüfer) und ob die Organisation aktuell das Spenden-Zertifikat oder das Spenden-Siegel einer unabhängigen Zertifizierungsstelle führen darf. Welche konkrete Form einer unabhängigen Prüfung für eine gemeinnützige Organisation sinnvollerweise in Frage kommt, sollten die Geschäftsführung und die Führungspersonen der Organisation unter Abwägung von Kosten und Nutzen in regelmäßigen Abständen offen diskutieren.

 

5. Zusammenfassung

Die erstmalige Erstellung eines zielführenden, jährlichen Finanzberichtes ist gerade für kleinere gemeinnützige Organisationen eine große Herausforderung, zumal dazu oft zeitliche Reserven, personelle Kapazitäten und entsprechende Sachkenntnisse fehlen. Die Erstattung des Finanzberichtes ist, dessen ungeachtet, einerseits Führungsaufgabe und andererseits Teamaufgabe. Bei Bedarf kann auf externe Personen und Instanzen zurückgegriffen werden, wie etwa die Möglichkeit einer kostenlosen, geförderten Einzelberatung durch einen Wirtschaftsprüfer in Rahmen der Initiative „Transparenz leicht gemacht“ (Informationen und Kontaktdaten siehe ganz unten).

Eine gemeinnützige Organisation, die sich ein erstes Mal intensiv mit den vorstehend aufgeworfenen Fragen auseinandersetzt, wird in der Regel allerdings feststellen, dass sich der Einsatz lohnt. In den folgenden Jahren kann dann auf der einmal geschaffenen Grundlage (beinahe) ohne nennenswerte Zusatzarbeiten aufgesetzt werden, soweit sich Strukturen und Prozesse der Organisation nicht grundlegend ändern. Verbesserungsoptionen sowie ein etwaiges, auch aktiv eingeholtes Feedback der relevanten Zielgruppen kann und soll selbstverständlich in die laufende Fortentwicklung (auch) der (Finanz-) Berichterstattung einfließen.

Eine ausgewogene Finanzberichterstattung, die sich nahtlos in die übrigen Berichtselemente einfügt, dient der Herstellung einer zumindest hinreichenden Transparenz der Organisation und trägt damit erheblich zur Verwirklichung ihres gemeinnützigen Zweckes bei, indem Adressaten angemessen angesprochen und nachhaltige Ressourcen erschlossen werden können.

 

Zum Autor:

Dipl.-Kfm. Frank Molitor, Wirtschaftsprüfer/Steuerberater ist Geschäftsführer einer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in Warstein, die ganz bewusst die bundesweite Beratung gemeinnütziger Organisationen und Projekte in ihr Leistungsspektrum aufgenommen hat. Er ist seit dessen Gründung Mitglied im Wirtschaftsprüferausschuss des Deutschen Spendenrats e.V., Berlin.

Außerdem engagiert er sich seit Beginn für das Projekt „Transparenz-leicht-gemacht“ als Mitgestalter, Berater und Referent.

Mehr zur Person unter: www.hmh-warstein.de oder auf www.transparenz-leicht-gemacht.de

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Kontakt:

Deutscher Spendenrat e.V. │ Projekt: Transparenz-leicht-gemacht │ Fabeckstraße 55 │ 14195 Berlin

Felicitas Krekosch (Projektreferentin)│Tel. 030 844 198 43 │E-Mail. kontakt@transparenz-leicht-gemacht.de

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[1]     Dies gilt selbstverständlich ebenso für mildtätigen und kirchlichen Zwecken dienende Organisationen. Die gemeinnützigen Organisationen stehen hier und im Folgenden stellvertretend für sämtliche steuerlich begünstigten Körperschaften im Sinne der Abgabenordnung (AO).

[2]     Als Anregung für eine sinnvolle Berichterstattung gemeinnütziger Körperschaften insgesamt sei verwiesen auf die Grundsätze des Deutschen Spendenrates e.V., Berlin sowie die Social Reporting Standards der Social Reporting Initiative e.V., Mühlheim an der Ruhr, die beide im Internet frei zugänglich sind.

[3]     Ausgewählte Fördermittelgeber sowie besondere Adressaten (z.B. die Finanzbehörden) verfügen zwar in der Regel über weitere, auf sie besonders zugeschnittene Informationen, jedoch beruhen diese wie auch die Instrumente der Finanzberichterstattung auf gemeinsamen Quellen (z.B. der Buchführung) und können daher von den in der Organisation verantwortlichen Personen sinnvollerweise auch gemeinsam entwickelt werden.

[4]     Zu nennen wären hier etwa die Grundsätze des Deutschen Spendenrats e.V., Berlin sowie der Social Reporting Standard des Vereins Social Reporting Initiative e.V., Mühlheim an der Ruhr oder die Spenden-Siegel-Standards des DZI, Berlin. Der Anwender sollte jedoch stets die nach diesen Standards im einzelnen erforderlichen Modifikationen und Erweiterungen der Instrumente im Blick behalten. Auch die Verlautbarungen des Institutes der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen, etwa die IDW-Stellungnahmen zur Rechnungslegung IDW RS HFA 5 (Rechnungslegung von Stiftungen), IDW RS HFA 14 (Rechnungslegung von Vereinen) und IDW RS HFA 22 (Besonderheiten der Rechnungslegung Spenden sammelnder Organisationen). 

[5]     Der „Ausweis“ betrifft regelmäßig die Frage, welche zusammenfassenden Posten dargestellt werden und in welchen Posten ein Vermögensgegenstand oder eine Schuld dann einbezogen werden müssen.

[6]     Der „Ansatz“ betrifft regelmäßig die Frage, ob ein Vermögensgegenstand oder eine Schuld überhaupt in das Rechenwerk „Bilanz“ oder „Vermögensaufstellung“ aufgenommen werden darf oder muss.

[7]     Die „Bewertung“ betrifft regelmäßig die Frage, mit welchem Wert ein Vermögensgegenstand oder eine Schuld in das Rechenwerk „Bilanz“ oder „Vermögensaufstellung“ aufgenommen werden muss.

[8]     Beispielhaft genannt seien an dieser Stelle wiederum die Grundsätze des Deutschen Spendenrats e.V., Berlin sowie der Social Reporting Standard des Vereins Social Reporting Initiative e.V., Mühlheim an der Ruhr oder die Spenden-Siegel-Standards des DZI, Berlin.

[9]     Vgl. die vorige Fußnote.

[10]   Siehe bereits obige Fußnote 4.

[11]   Beispielhaft sei hier das Spenden-Zertifikat des Deutschen Spendenrats e.V., Berlin genannt, das dieser seit dem Jahr 2017 seinen geprüften Mitgliedern nach eingehender Untersuchung für die Dauer von jeweils drei Jahren verleiht.

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